Klaus Lübers Linux Artikel auf Spiegel-Online:
Teil 1
Teil 2
Und hier meine Kritik:
Der User-Frust des Autors ist völlig verständlich, aber sein Ärger ist fehlgeleitet und seine Rückschlüsse schlichtweg falsch und zudem irreführend!
Zunächst mal ist das "UNIX ist steinalt!"-Argument völlig hinfällig. Da könnte man sich ja auch beschweren, daß in der Mathematik immer noch die alten Griechen bemüht werden. Daß die bald 40 Jahre alten UNIX-Paradigmen immer noch Bestand haben, zeugt von ihrer Grundsätzlichkeit und den visionären Qualitäten ihrer Entwickler Richie und Thompson. Und schließlich haben auch die Benutzerfreundlichkeitsgurus von Apple ihr MacOS X auf ein solides UNIX-Fundament gestellt.
Soweit ich dem Text entnehmen konnte, hatte der Autor Probleme mit linmodem. Linmodem ist der Versuch, die sogenannten Soft- oder Winmodems unter Linux nutzbar zu machen. Diese Modems zeichnen sich, wie der Name schon sagt, dadurch aus, daß sie von vornherein nur für den Einsatz unter Windows entwickelt wurden - das Monopol macht's möglich! Diese Winmodems sind also ohne Windows zunächst mal völlig unbrauchbar. Aber nun gibt es mit linmodem anscheinend DOCH die Möglichkeit, diese Modems irgendwie unter Linux ans Laufen zu kriegen! Anstatt hier also zu meckern, sollte der Autor viellicht lieber den Linux-Entwicklern DANKEN, die den Nutzern zuliebe Hardware supporten, deren Hersteller sich einen Dreck um alles kümmern, was nicht Microsoft heißt. Aber nein, der Autor nimmt das zum Anlaß, in völlig inkompetenter Art und Weise die Linux-Gemeinde abzustrafen.
Wie gesagt, der User-Frust ist voll verständlich. Linux-Systeme haben immer noch Defizite, vor allem wenn es um den "It Just Works"-Faktor geht. Und wer was anderes behauptet, der ist nicht besser als die Propaganda von Microsoft und Co. Schließlich scheitern bisweilen auch altgediente Linux-Recken an vermeintlich alltäglichen Aufgaben, wie die berühmt gewordenen
Tiraden zur Druckerinstallation von Eric Raymond zeigen.
Aber im Bereich Hardware-Support haben sich die Linux-Entwickler nun wirklich nichts vorzuwerfen, und frustrierte User ihnen schon mal gar nichts. Schließlich ist es nicht die Schuld der Entwickler, daß 90% der PC-Hardware seitens der Hersteller nur unter Windows unterstützt wird. Das ist nicht das Versagen von Linux, sondern die traurige Realität der PC-Industrie, die von Mircrosoft geschaffen wurde.
Mich ärgern diese Artikel, denn obwohl der Autor wichtige Probleme anspricht, ist er offensichtlich nicht qualifiziert, diesen auf den Grund zu gehen. Ereignisse in der Weltpolitik werden beim Spiegel ja schließlich auch nicht von irgendwelchen Gelegenheitsexpteren erläutert, oder?
Und wo wir gerade bei der Politik sind: Die politische und gesellschaftliche Bedeutung von GNU/Linux wird vom Autor auch nicht gewürdigt.
Die Probleme, denen man mit GNU/Linux begegnet sind Preis für Freiheit und Unabhängigkeit, und dieser Preis wird in dieser neuen Kultur der Softwareentwicklung täglich geringer! Der Spiegel steht mit seinen kritischen Berichten doch für mündige Bürger, oder? Dann sollte er im Computerzeitalter auch für mündige User stehen. Und deren größte Hoffnung ist freie Software im allgemeinen, und GNU/Linux im speziellen.